03.06.2009 18:00
Nach Russland wartet jetzt der Mond: Das Ziel heißt Mond: Thomas Dentler, Nancy Calero und Evgeny Drobyshef, der Intendant von „Samarskaja Plostschad“.
Theater in der Westentasche spielte in Samara
Gerade ist Thomas Dentler von seiner fünftägigen Reise ins russische Samara heimgekehrt. Von kulturellen Begegnungen hat er einiges zu berichten.
von Sina Plenker
Er erzählt viel vom Beisammensein der deutschen und der russischen Seele, von einem Austausch als Beitrag zu Verständigung und Frieden, von riesigem Interesse der Medien, von neuen Freundschaften und Visionen. Dorthin war der Intendant des „Theaters in der Westentasche eingeladen worden, um in der Ein halb-Millionen-Stadt seine Version von Bölls „Ansichten eines Clowns“ zu spielen. „Das Interesse an unserer Inszenierung war riesengroß“, erzählt Dentler. Nur wenige Wochen zuvor war die Theater gruppe „Samarskaja Plostchad“ im Forum bei der Ulmer Zentralbibliothek aufgetreten – auch vor einen großen Publikum.
Als aus Russland der Anruf kam, dass Dentler im Mai in Samara erwartet werde, habe er mit seiner Zusage keine Sekunde gezögert. Schließlich hatte schon Dentlers Vater, der Westentaschen-Gründer Theo Dentler, vor 40 Jahren in Russland auftreten wollen, aber nie die nötigen Papiere bekommen. „Wenn solche Türen aufgehen, muss man das sofort machen“, sagt Dentler, dessen Auftritt bereits im Vorfeld im russischen Staatsfernsehen angekündigt wurde.
Den Anstoß für den kulturellen Transfer gab Dentlers Freund Roman Belovorodov. Der hatte vor einem Jahr den russischen Journalisten Alexej Prokaev angesprochen, der als kultureller Vertreter Russlands in Stuttgart für einen Austausch zwischen den beiden Ländern warb. Prokaev entschied sich unter mehreren Bewerben für Dentler. Das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unterstützte die Künstler aus beiden Ländern Finanziell.
Das Problem einer Sprachbarriere gab es nicht, berichtet Dentler. Vielen Russen sprechen Deutsch, er habe auch einen Übersetzer mit auf die Bühne genommen, und Nancy Calero, die Dentler begleitete, tanzte und sang aus Spanisch.
Am Vorabend des Auftritts hatte der Schauspieler jedoch Bedenken, ab alles glatt über die Bühne geht. Der Bürgermeister von Samara hatte ihn zum Essen eingeladen. „Dazu gehört natürlich auch Wodka trinken. Wir tranken ein Glas nach dem anderen auf die Wolga, die Tradition und natürlich das Theater. Da nahm kein Ende. Ich dachte mir nur, hoffentlich überlebe ich diese Geschichte“, schmunzelt Dentler. Sein Gastgeber habe ihm aber versichert, das es egal sei, wie er spiele , Hauptsache er trete auf.
Bei seiner Besichtigung des „Kosmischen Zentrums“ Samara nahm Dentler der Chefin des dortigen Raumfahrzentrums das Versprechen ab, dass er als erster Kulturschaffender auf dem Mond ein kulturelles Zentrum aufbauen dürfe. Die schriftliche Bestätigung erwartet Dentler in den nächsten Wochen.
Südwest Presse, Ausgabe Ulm, Donnerstag, 28. Mai 2009.