06.04.2009 11:47

XLVIII Welttheatertag 2009

XLVIII Welttheatertag 2009
Den Freitag, 27. März 2009 von 13.30 Uhr bis 17.00Uhr,Wir hatten es gefeiert mit alle „SchülerInnen“ der Theater AG des Adalbert-Stifter-Schule Ulm, Lehrer und Familie im Spiegel Saal der VfB Halle Eselsberg -Ulm .
Die Eintritt war frei.



XLVIII Welttheatertag 2009

Den Freitag, 27. März 2009 von 13.30 Uhr bis 17.00Uhr,Wir hatten es gefeirt mit alle „SchülerInnen“ der Theater AG des Adalbert-Stifter-Schule Ulm, Lehrer und Familie im Spiegel Saal der VfB Halle Eselsberg -Ulm .
Die Eintritt war frei.

Programm:
1.- Theater-Performance:
„ Wir schenken euch ein Schauspielern“:der Papagei Primus und seinen Master! (Nancy Calero und Tamara Schätz).
2.- Lesung des Botschaften zum Welttheatertag 2009 :Augusto Boal aus Brasilien.
3.- „Clown im Bahnhof“ Pantomime mit Roman Belovorodov aus Russland
4.- Rap-Szene (Kinder der Theater AG)
3.- Fest (Kaffee, Kuchen und freier alkoholischen Getränke) und Tanz!!!

Über Welttheatertag:

1961 wurde vom finnischen ITI und unterstützt von den anderen skandinavischen Zentren ein Welttheater-Tag vorgeschlagen. Der IX. ITI-Kongress in Wien (1961) nahm den Vorschlag einstimmig an und proklamierte den traditionellen alljährlichen Eröffnungstag des Festivals Theater der Nationen in Paris, den 27. März, zum Welttheatertag.
Unerwartet war dieser Initiative ein großer, weiterwirkender Erfolg beschieden; in etwa 80 bis 100 Ländern - also vielfach auch dort, wo noch kein ITI-Zentrum bestand - wurde der Welttheatertag schon im ersten Jahr begangen.
International renommierte Theaterleute (u.a. Jean Cocteau, Arthur Miller, Laurence Olivier, Jean-Louis Barrault, Helene Weigel, Miguel Angel Asturias, Peter Brook, Dmitrij Schostakowitsch, Pablo Neruda, Maurice Béjart, Ellen Stewart, Wole Soyinka, Martin Esslin, Jorge Lavelli, Edward Albee, Vaclav Havel) wurden um „Botschaften“ gebeten, in denen sie sich mit Bedeutung und Wirkung der Bühnenkunst im gesellschaftlichen Kontext auseinandersetzen. Der Text wird jeweils weltweit verbreitet. Das venezolanische Zentrum des ITI hat 1993 eine Anthologie sämtlicher *Botschaften* zum Welttheatertag seit 1962 herausgegeben, das Zentrum Bangladesch produzierte eine bis 2000 aktualisierte Ausgabe (Im Internet ist unter www.iti-worldwide.org/pages/wtd/wtdlis.htm eine vollständige Liste der Autoren abrufbar).
Die internationalen Botschaften zum Welttheatertag werden jedes Jahr in über fünfzig Sprachen übersetzt und überall in der Welt vor Theateraufführungen oder speziellen Veranstaltungen zum Welttheatertag (Preisverleihungen, Theaterfeste, Galaveranstaltungen, Spendensammlungen) für Zehntausende von Zuschauern verlesen, in Tageszeitungen und Theatermagazinen gedruckt und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über hundert Radiostationen auf allen fünf Kontinenten erklären sich jährlich bereit, die Botschaft auszustrahlen und damit die lokalen und regionalen Veranstaltungen der jeweiligen ITI-Zentren zum Welttheatertag zu unterstützen.
Folgende Veranstaltungen begleiten den Welttheatertag alljährlich:
Internationale Festakte am Tag selbst oder in unmittelbarer zeitlicher Nähe, z.B. in Japan, Kamerun, Burkina Faso, Kuwait Besondere Theateraufführungen (Belgien, Philippinen, Zypern, Tunesien, Rumänien, Schweden, Monaco, Spanien, Zaire) Symposien, Kolloquien und Podiumsdiskussionen über die Rolle des Theaters in der Gesellschaft (Griechenland, Bangladesch, Rumänien, Mazedonien, Indien) Preisverleihungen für besondere Verdienste in Theater oder Tanz vor allem an Persönlichkeiten, deren internationaler Einfluss auf diesem Gebiet gewürdigt werden soll. Hier sind besonders das britische, israelische, polnische, ugandische, russische und deutsche ITI Zentrum aktiv.
Eröffnung neuer Theater, Theatermuseen und Theater bezogener Ausstellungen Nationale Botschaften zum Welttheatertag durch bekannte Persönlichkeiten der nationalen Theaterszene (Rumänien, Simbabwe, USA, einige skandinavische und lateinamerikanische Länder) Artikel in der Presse über das Theater und Kommentare zur internationalen Botschaft Radio und Fernsehsendungen über Theater, einschließlich solcher für besonderes Publikum (Kinder und Jugendliche, nationale Minderheiten) sowie die Ausstrahlung von Theateraufzeichnungen z. B. in Indien, Mazedonien Kostenlose Vorstellungen oder Angebot eines besonderen Kontingents von Freikarten (Ägypten, Chile, Spanien, Griechenland, Belgien, Türkei) besondere Ausgestaltung von Theatern Bälle, Messen, Paraden Besondere Plakate Benefizveranstaltungen (skandinavische Länder, Großbritannien) Am ersten Welttheatertag wurde von Frankreich eine Sonderbriefmarke herausgegeben. Alle Ereignisse in ihren unterschiedlichen nationalen Funktionen manifestieren einen gemeinsamen Aspekt: Sie geben den Theatern Gelegenheit, engere Verbindungen mit ihrem Publikum zu knüpfen, mit ihm gemeinsam zu feiern. Freie Aufführungen sowie besondere Radio- und TV-Sendungen erreichen den Theaterliebhaber ebenso wie den Theaterneuling. Umgekehrt lernen die Theatermacher ihr Publikum besser kennen und können dies in ihrer Arbeit umsetzen. Zahlreiche Veranstaltungen sind äußerst vielgestaltig und werden gerade von ITI-Zentren, die über nur geringe finanzielle Mittel verfügen, improvisiert. Beispielsweise feiert das ITI Zentrum Bangladesch und der nationale Theaterverband den Welttheatertag zusammen mit der ganzen nationalen Theaterszene. Die Straßen von Dhaka erleben eine Parade von über 1000 Schauspielern und Schauspielerinnen in ihren Theaterkostümen. Theaterausstellungen werden gezeigt und am Abend gibt es traditionell eine Vorlesung über das Theater in Bangladesch, gefolgt von den Aufführungen der Theatergruppen.

Botschaft zum XLVIII Welttheatertag am 27. März 2009
von Augusto Boal-Brasilien

Alle menschlichen Gesellschaften sind in ihrem Alltags leben spektakulär und verfertigen zu gewissen Anlässen Spektakel. Sie sind spektakulär als gesellschaftliche Organisationsform und sie verfertigen Spektakel wie jenes, das Sie sich gerade ansehen wollen.
Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst werden, sind die Beziehungen der Menschen theatralisch strukturiert, im Gebraucht des Raums, der Körpersprache, der Wortwahl, der Modulierung der Stimme, im Aufeinander treffen von Gedanken und Emotionen. Alles, was wir auf der Bühne tun, tun wir auch im Leben: wir sind Theater.
Hochzeiten und Beerdigungen sind Spektakel, aber auch die Alltagsrituale, die uns so vertraut sind, dass wir sie nicht mehr bewusst wahrnehmen. Große Pomp- und Prunkveranstaltungen, aber auch der Morgenkaffee, der gegenseitige Gruß, die schüchternen Bezeugungen der Liebe, der Kampf der Leidenschaften, eine Sitzung des Senats, ein Diplomaten treffen - alles ist Theater.

Eine der Hauptfunktionen unserer Kunst besteht in der Bewusstmachung dieser Alltagsspektakel, in denen die Akteure zugleich Zuschauer sind, in denen die Bühne zum Zuschauerraum und der Zuschauerraum zur Bühne wird. Wir alle sind Künstler: indem wir Theater machen, lernen wir das zu sehen, was zwar ins Auge springt, was wir jedoch nicht wahrzunehmen vermögen, weil wir seine Betrachtung so wenig gewohnt sind. Was uns vertraut ist, ist unsichtbar für uns: Theater machen heisst Licht auf die Bühne unseres Alltags lebens zu werfen.

Im September des vergangenen Jahres wurden wir durch eine theatralische Enthüllung überrascht: wir, die wir dachten in einer sicheren Welt zu leben, trotz Krieg und Völkermord, trotz des Massensterben und der Folter, die es zwar gibt, jedoch nur in fernen, wilden Ländern; wir, die wir in Sicherheit lebten und unser Geld in die Hände respektabler Banken oder ehrbarer Börsenmakler legten, wurden eines Besseren belehrt: dieses Geld existierte gar nicht, es war virtuell, die hässliche Fiktion einiger Wirtschaftsleute, die ihrerseits weder fiktiv, noch sicher, noch respektabel sind. Dies alles war schlechtes Theater mit trister Handlung, bei dem einige viel verdienten und viele alles verloren. Die Politiker der reichen Länder hielten Geheimsitzungen ab und kamen mit magischen Lösungen hervor. Wir, die Opfer ihrer Entscheidungen, sitzen immer noch als Zuschauer in den hintersten Rängen des Zuschauerraums.

Vor zwanzig Jahren inszenierte ich in Rio de Janeiro Phaedra von Jean Racine. Das Bühnenbild war arm: Kuhhäute auf dem Boden und rings herum Bambus. Vor jeder Vorstellung sagte ich zu meinen Schauspieler: „Die Fiktion, die wir Tag für Tag schaffen, endet, wenn ihr durch die Umzäunung aus Bambus geht, dann hat niemand mehr von euch ein Recht auf Lüge. Theater ist verborgene Wahrheit.
Wenn wir hinter den Schein schauen, sehen wir Unterdrücker und Unterdrückte, in jeder Gesellschaft, in jedem Volk, jeder Klasse und Kaste; wir sehen eine ungerechte, grausame Welt. Wir müssen eine andere erfinden, denn wir wissen, eine andere Welt ist möglich. An uns liegt es, eine solche Welt mit eigenen Händen zu bauen und auf die Bühne zu gehen: auf die Bühne des Theaters wie auf die Bühne des Lebens. Seht es euch an, das Spektakel, das jetzt beginnt, und wenn ihr nach Hause kommt, dann spielt mit euren Freunden eure eigenen Stücke. Seht, was ihr noch nie sehen konntet: was ins Auge springt. Theater ist nicht nur Ereignis, es ist eine Lebensform! Akteure sind wir alle. Ein Bürger ist nicht, wer bloss in der Gesellschaft lebt. Ein Bürger ist, wer sie ändert!


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